Podcast Folge 4: Notgroschen - Geld, das du hoffentlich niemals brauchst

Was ist der Notgroschen überhaupt?

Der Notgroschen ist Geld, an das du im Notfall direkt rankommst. Unter einem Notfall versteht man, dass beispielsweise dein Auto kaputt geht, deine Waschmaschine den Geist aufgibt, du deinen Job verlierst oder in Kurzarbeit gehen musst.

Der Notgroschen ist also dafür gedacht, dass du Geld für unvorhergesehene Dinge zurücklegst, die du mit deinem aktuellen Gehalt mal nicht einfach so ausgleichen könntest.

Warum du ihn hoffentlich niemals brauchst

Stelle dir beispielsweise vor, dass du ein Gehalt von 1.500€ netto hast. Wenn nun dein Auto den Geist aufgibt und du für die Reparatur 3.000€ zahlen musst, könntest du dies mit deinem Gehalt nicht bezahlen, richtig? Und wenn dann im nächsten Monat noch die Waschmaschine kaputt geht? Was passiert dann?

Das hätte dann zur Folge, dass du dir Geld leihen oder gar keinen Kredit aufnehmen müsstest. Um solchen Problemen vorzubeugen, legst du dir einen Notgroschen an, den du aber im besten Falle niemals anrühren müsstest. Dann würde das Geld zwar “nur” herumliegen, aber wenn einer dieser Beispiele doch eintritt, wirst du froh um diesen Notgroschen sein. Glaub mir. 

Wohin mit dem Notgroschen?

Vielleicht hast du in meinem letzten Blog-Beitrag über das Thema Kontenmodelle gelesen. Durch dein persönliches Kontenmodell kannst du für dich deine finanzielle Situation leichter abbilden und automatisieren.

Ich persönlich würde den Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto parken. Ein Tagesgeldkonto ist wie ein Sparbuch, nur kommst du jederzeit an dein Geld und kannst es dir kurzfristig überweisen. Fast jede Bank bietet mittlerweile kostenlose Tagesgeldkonten an.

Ich persönlich würde das Geld nicht an der Börse investieren. Denn das Problem ist, dass die Börse Kursschwankungen unterliegt. Das bedeutet, dass dein Geld morgen schon weniger wert sein kann, als heute. Gerade zu Krisenzeiten, kann der Wert schnell und stark fallen. Wenn du nun genau in diesem Moment deinen Notgroschen benötigst, würdest du deine Aktien bzw. ETFs mit Verlust verkaufen müssen.

Warum nicht auf dem Girokonto lassen?

Unser Gehirn möchte uns kurzfristig glücklich machen. Und wir Menschen lassen uns gerne zu gewisse Dinge verleiten.  Was bringt es dem Gehirn, wenn unser Geld einfach so auf dem Girokonto herumliegt? Richtig, gar nichts. 

Stell dir vor du lässt den Notgroschen auf deinem Girokonto liegen. Tag für Tag schaust du auf dein Girokonto. Und dir fallen immer wieder die besten Dinge an, was du mit dem  Geld so alles anstellen kannst. Und wie kann es anders sein: das Verlangen wird zu groß, dein Kontostand wieder kleiner.

Hierfür kommt ein separates Konto wie gerufen. Wenn du dein Notgroschen auf dieses separate Tagesgeldkonto überweist, schaust du nicht so regelmäßig auf das Geld und es für dein Gehirn in Ordnung, das Geld dort einfach liegen zu lassen.

Wie hoch sollte mein Notgroschen sein?

Die Höhe vom Notgroschen kommt auf deine eigene und persönliche Situation an: 

  • Hast du Kinder oder einen Mann?
  • Hast du einen Hund?
  • Wie sieht deine Wohnsituation aus: wohnst du zur Miete oder im Eigenheim?
  • Wie viele Dinge besitzt du, die schnell ersetzt werden müsstest oder die auch teuer sind?
  • Welche Dinge brauchst du zum Arbeiten und müsstest diese kurzfristig ersetzen?
  • Wie sieht deine berufliche Situation aus? Wenn du beispielsweise in einem Job arbeitest, der eher unsicher ist, sollte dein Notgroschen deutlich höher ausfallen. In einem Beamten-Verhältnis, das ziemlich sicher ist, muss der Notgroschen dann nicht ganz so hoch ausfallen. Ich mit meiner Selbstständigkeit habe natürlich einen deutlich höheren Notgroschen aufgebaut, falls ich über einen gewissen Zeitraum einen Verdienstausfall haben sollte.

Hinzukommt dann noch dein eigener Wunsch nach Unabhängigkeit hinzu. Ich habe auch Kundinnen, die sagen: “Meine Eltern haben ganz viel Geld auf die Seite gelegt. Sollte ich etwas benötigen, kann ich etwas bei denen borgen. Das reicht mir.” Auch das ist natürlich völlig in Ordnung.

Wichtig ist einfach, dass du schaust: Wie viel Geld könnte ich im Notfall gebrauchen und wie kurzfristig benötige ich?

Hier nun ein paar Zahlenbeispiele: Es gibt eine Faustformel, die besagt, dass man circa 3 Netto-Monats-Gehälter als Notgroschen ansparen sollte. Das kann natürlich nach oben und wie nach unten variieren.

Als ich noch Angestellte war, hatte ich einen Notgroschen von circa 5.000€, was etwas niedriger als 3 Netto-Monats-Gehälter war. Ich hatte einen sehr sicheren Job und fühlte mich mit diesem Notgroschen total wohl. Nun als Selbstständige sieht das nun anders aus: Habe ich jeden Monat Kunden? Möchte ich auch mal Pause machen? Was passiert, wenn ich krank bin? Diese Faktoren musste ich entsprechend beachten und habe entschieden, einen Notgroschen in Höhe von 30.000€ als angemessen erachte. Das ist natürlich total viel Geld. Aber dieser Notgroschen lässt mich nachts ruhig schlafen.

Denn dafür ist der Notgroschen da: dass du dich dabei wohl fühlst und mit diesem Notgroschen ein gutes Gefühl dabei hast, dann dein Geld beispielsweise an der Börse anzulegen.

💡Das musst du dir merken:

  • Der Notgroschen dient dem Notfall: Falls du mal schnell Geld brauchst, kannst du an deinen Notgroschen gehen.
  • Der Notgroschen gehört nicht an die Börse, sondern auf ein Tagesgeldkonto.
  • Die Höhe vom Notgroschen kommt auf deine eigene und persönliche Situation und deinem eigenen Wunsch nach Unabhängigkeit an.
  • Als Faustformel kannst du dir 3 Nettomonatsgehälter merken.

Finanzen mit Franzi, 2020